Inhalt / Story:
Alicia drückt sich wieder mal vor ihren Hausaufgaben und spielt lieber am Computer. Nach der Aufförderung ihrer Mutter muss sie schließlich dann doch irgendwann ihre Hausaufgaben machen, nämlich das Gedicht “Der Erlkönig” von Johann Wolfgang von Goethe auswendig lernen. Sie hat gar keine Lust das zu lernen und sucht nach einer anderen Lösung, indem sie im Internet nach dem Erlkönig googelt. Dabei stößt sie auf ein Video von “Junge Dichter und Denker”, ein Musikprojekt in dem alte deutsche Gedichte von Jugendlichen vertont werden, und ist total begeistert davon. Sie hört sich neben dem Erlkönig auch noch weiter Lieder an und findet die gerappten Gedichte der alten deutschen Klassiker immer interessanter, sodass sie schließlich im Bücherregal ihrer Mutter nach den Büchern sucht und auch einige davon findet. Mit Begeisterung fängt sie nun freiwillig an, die Bücher zu lesen. Sie findet über den multimedialen Weg wieder Zugang zur alten deutschen Literatur.
Idee zum Film – Moderener Bildungsprozess:
Mittlerweile werden Informationen und Inhalte immer häufiger durch multimediale Mittel in unseren Schulen dargestellt, u.a. mit Hilfe von Bild, Ton und schließlich auch durch das Internet. Bereits 86% der Jugendlichen im Alter zwischen 12 und 13 Jahren nutzen das Internet regelmäßig (KIM-Studie 2008). Recherchen ohne das Internet sind heute gar icht mehr weg zu denken, besonders jüngere Menschen nutzen es fast ausschließlich für schulische Recherchen. Betrachtet man nun den modernen Bildungsprozess nach Jörissen, so ist nicht nur die mediale Information ausschlaggebend, sondern viel mehr die Orientierung in den medialen Welten. Besonders im Internet ist es wichtig, die Seriosität von Qellen zu erkennen und wichtige von unwichtigen Information zu unterscheiden. In Bezug auf die lebensweltliche Orientierung der Medien und in Anlehnung an die Dimensionen des Wissens von Immanuel Kant lassen sich vier grundlegende Orientierungsdimensionen unterscheiden. Ich möchte hier zwei Dimensionen aufzeigen, die in diesem Film deutlich zum Vorschein kommen:
1. Dimension: Der Wissensbezug
Im Film “Alicia & der Erlkönig” benutzt Alicia das Internet um andere Informationen zum Gedicht zu finden. Dafür ist zuerst das Grundwissen, wie man überhaupt an Informationen im Internet gelangt (z.B. über google), erforderlich. Sie findet bei Google einige Einträge zum Begriff “Erlkönig” und muss nun die für sie brauchbaren Informationen erkennen und filtern. Sie findet ein Musikvideo von “Junge Dichter und Denker” in dem das Gedicht “Der Erlkönig” als Rap-Song aufgeführt wird. Der Wissensbezug wird hier also über das Internet durch ein Musikvideo hergestellt, in dem der Text über den musikalischen Weg vermittelt wird.
2. Dimension: Handlungsbezug:
Hier stellt sich die Frage, wie das vorhandene Wissen angemessen in Handlungsoptionen umgewandelt werden kann. Durch den musikalischen Bezug zum Gedicht fällt Alicia das Einprägen und Auswendiglernen des Textes wesentlich leichter. Der Handlungsbezug ist nun das Wiedergeben des gelernten Textes.
Der Zugang zur Bildung (Lernen des Gedichtes) wird in diesem Fall über das Medium Musik ermöglicht. Erst aber die Fähigkeit, den Computer und das Internet richtig bedienen zu können, ermöglicht überhaupt eine Form des “Lernens” bzw. der “Bildung”. Es ist eine gewisse Medienkompetenz erforderlich! Betrachtet man hier die vier Dimensionen der Medienkompetenz nach Dieter Baacke, so ist in erster Linie die Dimension der Medienkunde (technische Umgang mit modernen Medien) gefragt.
Überträgt man nun das Bild mit dem Wald von Glaserfeld auf das Internet, so stellt das Web 2.0 einen riesigen Wald dar, wobei man sich den Überfluss an Informationen als Bäume vorstellen kann. Bewege ich mich nun durch diesen Wald auf der Suche Informationen, so werde ich immer wieder von im Weg stehenden Bäumen behindert (Bsp: falsche oder unzureichende Informationen). Um jedoch das Ziel zu erreichen, gibt es oftmals viele verschiedene Wege durch den Wald. Im Fall von Alicia, ist die Musik nur einer von vielen Wegen, um das Gedicht zu lernen. Welchen Weg man aber tatsächlich einschlägt, ist vom Einzelnen individuell, als auch von der Medienkompetenz abhängig.



